Pro und Contra Hotelbuchungsportale


 
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Um von Gästen besser im Internet gefunden zu werden, greifen 70 Prozent der deutschen Hoteliers nach einer Studie des Heilbronner Instituts für angewandte Marktforschung aus 2016 auf Buchungsportale als einen Vertriebsweg zurück. Jedoch birgt dies eine Zwickmühle. Der food Pressedienst, ein Informationsdienst aus dem Bereich Ernährung, Genuss, Hotellerie und Gastronomie, hat Stimmen zu diesem Thema eingeholt.

 

Der Online-Reisemarkt boomt: Laut des Verbandes Internet Reisevertrieb wurde 2016 jede zweite Reise online gebucht – Tendenz weiter steigend. Die Listung bei den Buchungsportalen ist für viele Hoteliers eine Gratwanderung: Die Hotelauslastung wird zwar durch die Buchungsportale gesteigert, doch pro erfolgreicher Buchung werden Provisionen mit bis zu 15 Prozent fällig. Dadurch sinkt die Rentabilität des Hotels.

 

„Hotelbuchungsportale sind ein wichtiger Vertriebspartner für die Hotellerie, doch so wichtig externe Mittler beim Hotelverkauf auch sind: Die Marktmacht einiger dominanter Buchungsportale darf nicht zu einem Missbrauch der Marktmacht bei Kommissionshöhen und Vertragsbedingungen führen“, erklärt Tobias Warnecke, Dipl.-Betriebswirt und Referent vom Hotelverband Deutschland. „Durchschnittlich werden 25 Prozent der Buchungen über Online-Buchungsportale eingefahren, drei Portale dominieren dabei den heimischen OTA-Markt mit einem gemeinsamen Marktanteil von über 95 Prozent.“

 

Buchungsportale haben den Vorteil einer großen Reichweite. Denn je mehr Hotels auf einer Plattform gelistet sind, desto mehr Nutzer besuchen das Portal – auch Reisende aus dem Ausland werden so auf die Häuser aufmerksam. Oliver Stotz, Corporate Director Marketing & Distribution bei Lindner Hotel, bestätigt diese Einschätzung: „Diese Reichweite ist mit den eigenen Vertriebskanälen nicht möglich – mit Buchungsportalen erreichen wir auch potentielle Kunden, die bisher noch nichts von unseren Hotels gehört haben, auch im Ausland.“ Hinzu kommt, dass Hoteliers aufgrund der großen Reichweite über Buchungsportale beispielsweise Last Minute-Kontingente kurzfristig verkaufen können. „Spontane Zimmerbuchungen kommen bei meinem Hotel immer häufiger vor. 18 bis 25 Prozent meiner Hotelbuchungen erfolgen über Hotelbuchungsportale am Vortag des Check-ins“, erklärt Eri Brandt, Geschäftsführerin des Privathotels Grander Mühle bei Hamburg.

 

Viele Buchungen – hohe Provisionen

Die Attraktivität von Buchungsportalen ist für Hoteliers gegeben – doch zu bedenken ist, dass die Konkurrenz ebenfalls dort zu finden ist. Online-Bucher entscheiden sich häufig für den günstigsten Zimmerpreis der Hotelkategorie. Das bedeutet für die Hoteliers, preiswerte Zimmerpreise anbieten zu müssen, um konkurrenzfähig zu sein. Hinzu kommt, dass sie auch bei günstigen Angeboten hohe Provision abführen müssen – finanzielle Verluste sind die Folge oder die Zimmer bleiben leer. „Ich generiere 75 Prozent meiner Zimmerbuchungen über Hotelbuchungsportale. Provisionen von bis zu 15 Prozent finde ich jedoch nicht angemessen, da wird die Gewinnmarge zu sehr geschmälert“, sagt Bettina Lichner, Inhaberin des Privathotels Gasthaus Nordstern in Essen.

 

Ein weiterer Nachteil von Buchungsportalen ist, dass die Hoteliers beim Buchungsprozess nicht mit den zukünftigen Gästen kommunizieren können. „Der Buchungsvorgang der Reisen erfolgt ausschließlich über das Buchungsportal, das auch für die Beantwortung der Fragen beim Buchungsprozess verantwortlich ist. Dabei ist der erste persönliche Kontakt zum Aufbau einer langjährigen Gästebeziehung gerade für uns als inhabergeführtes Hotel sehr wichtig“, so Helene Lutz, Inhaberin des Residenz Hotel Gießen.

 

Es gibt auch Hoteliers, die andere Wege als die der Buchungsportale gehen. Hotelgästeverzeichnisse wie zum Beispiel hotel-ami.de zeichnen sich dadurch aus, dass Hoteliers von einer hohen Reichweite profitieren, den Buchungsvorgang selbst betreuen und dadurch keine Provisionen fällig werden. Bernhard Schädlich, Geschäftsführer von hotel-ami.de, entwickelte vor 20 Jahren das zugehörige Konzept: „In unserem Gästeverzeichnis sind derzeit über 400.000 Hotels weltweit gelistet, dabei sind wir besonders auf Deutschland, Österreich und die Schweiz spezialisiert. Hoteliers, die unser Verzeichnis nutzen, zahlen nur eine einmalige Jahresgebühr für die Listung. Provisionen für die Zimmerbuchungen werden nicht fällig.“

 

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Geschrieben am: 13.11.2017